Der  Namenstag 

Der Namenstag - ein alter russischer Brauch

Nach den Statuten der russisch-orthodoxen Kirche musste man dem Kind am achten Tage nach seiner Geburt einen Namen geben. Doch hielt sich die Kirche nicht immer streng an diese Regel. Es kam vor, dass der Name sowohl bis zu den Gattungen als auch am Geburtstag gewählt wurde.


Für gewöhnlich ließ man den Namen vom Priester aussuchen. Er wählte ihn aus dem kirchlichen Kalender nach einem orthodoxen Heiligen, dessen Fest mit dem Geburtstag des Kindes übereinstimmte. Bei der Namensgebung trug der Priester den Säugling vor die Ikone der Gottesmutter und hob ihn kreuzweise hin und her, womit er gleichsam diesen neuen Christen ihrem Schutz anvertraute.


Der Name, der dem Kind zur Ehre eines Heiligen gegeben wurde, hieß Engelsname und der Heilige wurde zu seinem engelgleichen Beschützer und himmlischen Verteidiger. Als Schutzpatron begleitete er den Menschen im Auftrag Gottes durch dessen ganzes Erdenleben.


Der Christ sollte den Lebenswandel des Heiligen, zu dessen Ehren er benannt wurde, kennen und ihm in Rechtschaffenheit nachfolgen.


Auch den Eltern war es erlaubt, den Namen auszusuchen. Viele Völker glaubten an die magische Verbindung des Menschen mit seinem Namen. Um einen Glück bringenden Namen zu wählen, riefen die Eltern das Kind, während es schlief, mit verschiedenen Namen und gaben ihm den Namen, auf den es reagierte.


Es herrschte die Vorstellung, dass man durch den Namen positive Charakterzüge bestimmter Menschen auf das Neugeborene übertragen konnte. Deshalb gab man den Kindern nicht selten die Namen verstorbener Verwandten. Bis heute ist von Generation zu Generation der Brauch überliefert, einem Jungen zu Ehren des Großvaters väterlicherseits und einem Mädchen zur Ehre der Großmutter mütterlicherseits deren Namen zu geben.


Der Tag des Engels - der Namenstag - war bei den Christen ein höherer Feiertag als der Geburtstag. Der Geburtstag wurde von vielen sogar vergessen. Der Namenstag hingegen wurde, wenn es die finanzielle Situation erlaubte, üppig gefeiert. Am Morgen des Namensfestes wurden bereits die Piroggen ( = Kuchen) an die Gäste geschickt, wobei die Größe der Pirogge von der Vornehmheit der Person abhing, der sie geschickt wurde. Der Taufpate und die Mutter erhielten meist die süßen Piroggen, als Zeichen besonderer Achtung.


Die Gäste ihrerseits brachten dem Namenstag-Feiernden Geschenke. Die geistlichen Gäste segneten ihn und die weltlichen schenkten ihm Stoffe. Geld und schöne Gratulationskarten. Die eingeladenen Kinder brachten süße, aus Papier geklebte Engelchen.


Auf besondere Weise wurden die Namenstage bei den Zaren gefeiert. So verteilte der Herrscher, wenn er an seinem Namenstag aus der Kathedrale kam, die Piroggen. Das gleiche tat die Zarin. Die volljährigen Zarensöhne und -töchter verteilten die Piroggen auch selbst, während im Namen der minderjährigen Kinder der Zar diese Aufgabe übernahm.


Wenn der Namenstag-Feiernde ein Bojar war, so kam er mit den Piroggen zum Zar. Dieser nahm die Piroggen entgegen und fragte den Bojaren nach seiner Gesundheit. Später wurde der Feiernde der Zarin vorgestellt und überreichte auch dieser seine Piroggen.


Dem Zar wurden an seinem "Engelstag" in der obligatorischen Ordnung die Geschenke überbracht. Alle Handelsleute schickten Geschenke an den Hof des Zaren, die dort verkauft wurden. Nicht selten kam es vor, dass ein Kaufmann dann beim Hofstaat des Zaren die Dinge wieder kaufte, die er dem Zar früher geschenkt hatte und dass er sie ihm dann ein zweites Mal schenkte.


Die geladenen Gäste stimmten das so genannte Mnogoletie (Lang soll er leben!) an, während sie tafelten und nach dem Festmahl wurden sie vom Zar mit Geschenken bedacht. Danach wurde getanzt, gesungen und Karten gespielt.


Das Hauptgericht auf der festlichen Tafel war die Pirogge. Ein Sprichwort hieß: " Ohne Pfannkuchen keine Fastnachtswoche, ohne Pirogge kein Namenstag".


Als leckerste Füllung der Pirogge galt der frische oder gesalzene Fisch. Doch auch mit Fleisch, Kartoffeln, Speck, Pilzen und Beeren wurden die Piroggen gefüllt. Obligatorisch waren zudem Kohl-Piroggen und Piroggen mit Rosinen, die eine besondere Rolle spielten. Auf dem Höhepunkt des Festes brachen dann die Gäste eine der Piroggen über dem Kopf des Zaren entzwei und überschütteten ihn mit der Füllung. Dabei riefen sie:"Möge es Euer Leben lang Gold und Silber auf Euch regnen!".

 


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